Bestmögliche Tage oder GLAUBE MIR!

Unser Leben besteht aus vielen besten Tagen und ich bin dankbar dafür. Unser heutiger Tagesstart war ein bestmöglicher – positiv ausgedrückt.

Zum Ersten fällt Ole der Start in der neuen Schule schwer. Alle seine Freunde sind auf dem Gymnasium, nicht wie er auf der Stadtteilschule gelandet. Seine neue Stadtteilschule liegt in Eppendorf. Sie ist groß, es gibt verschiedene Fächer, eine Riesen-Kantine mit einem Fingerprint-System und einer Schlange an der Essens-Ausgabe, Schubfächer mit unterschiedlichen Mappen, Stiften und Büchern, neue Gesichter und Namen und einen Bus, der sich durch neues, ihm unbekanntes Terrain schlängelt. Nach eigenen Angaben kann er momentan noch nicht zuhören und aufpassen. Er muss die Augen aufreißen, damit keine Tränen raustropfen. Seine Bank-Nachbarin habe gestern schon „Nicht schon wieder“ gestöhnt und diese Blöße möchte er sich nicht nochmal geben.

Das sind wirklich nicht die besten Schultage, die er momentan hat. Wir müssen nun einfach bestmögliche daraus machen, bis die Guten kommen.

Heute Morgen aber war es nicht Ole, der sich schwer tat. Er war aufgeräumt und positiv, obwohl er wusste, dass es sein erster langer Schultag bis 16 Uhr war. Dafür saß Friedrich von 7:30 Uhr bis 7:50 Uhr auf der Waschmaschine vorm Badezimmerspiegel und es schien ihn so gar nichts zu interessieren. Frühstück? Überschätzt! Tabletten? Wozu? Etwas trinken? Kein Bock! Zähneputzen? Nee, echt nicht! Meine Gefühle schwankten zwischen Mitleid, Wut und Hilflosigkeit bis ich sie auf das Mantra umlenken konnte, dass uns Mo, Friedrichs und Oles Coach und Mentaltrainer gestern Abend mitgegeben hatte.

DU BIST GUT, WIE DU BIST sagte ich im Geiste zu ihm.

Diese Gewissheit trage ich grundsätzlich in mir. Meine Kinder sind gut und richtig. Leider vergesse ich sie manchmal im Alltag, wenn die beiden nicht funktionieren, wie ich es will. Dann nimmt die Panik überhand, dass dies nur der Anfang sei und alles noch viel schlimmer kommen könnte. Dann multipliziere ich ein Verhalten in die Zukunft und klammere Selbstheilungskräfte, Intelligenz und eine positive Umwelt aus.

Die Zukunft ist aber nicht gegen uns. Meistens ist sie unser Freund. Wenn im Moment alles Scheiße ist, wird es besser von diesem Augenblick an. Wer schon auf dem Boden liegt, kann nicht weiter fallen. Um 7:51 Uhr rutscht Friedrich von der Waschmaschine, um in schneller Folge eine Banane zu essen, seine Tabletten zu schlucken, sich die Zähne zu putzen und Schuhe und Jacke anzuziehen. Um 8:05 Uhr steht er wartend an der Bushaltestelle. Ich bin zurück in der Realität.

Was ist schlimm daran, wenn ein Zwölfjähriger zu spät zur Schule kommt oder ein Zehnjähriger Zeit braucht in seiner neuen Schule anzukommen? Die Gegenwart wirft Fragen und Aufgaben hoch, die wir lösen werden, die wir immer gelöst haben. Ich weiß das!
Wie bringe ich meinem Gehirn nur bei, mir auch in den Panik-Momenten zu glauben?

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