Der Kirchgang

Mit dem Schreiben ist das bei mir so eine Sache. Über Wochen passiert nichts, was mich bewegt und über das ich schreiben möchte. Dann innerhalb weniger Tage drängen sich mir so viele Themen auf, dass ich gerne 24 Stunden am Tag Zeit hätte um alle aufzuschreiben. Alles bewegt mich, alles rotiert in meinem Kopf.

Heute, am drittletzten Sonntag im Kirchenjahr ist es der Kirchenbesuch der Johannisgemeinde in Eppendorf. Dorthin gehe ich seit einigen Wochen mehr oder weniger regelmäßig, weil Friedrich im nächsten Sommer konfirmiert wird. Friedrich und ich sind nicht gläubig, wären es aber gerne. Wir singen Lieder, hören der Predigt zu, lachen über die schlechten Witze, die wir uns in der letzten Bank leise zuraunen.

Heute hatte Friedrich schlimme Rückenschmerzen und lag zwischendurch in der Bank. Dennoch war es ein schöner Gottesdienst. Weil Friedrich und ich uns nah waren. Weil ich über den Glauben nachgedacht habe und darüber, dass ich für mich dieses Wort einfach viel weiter spannen muss, um dabei zu sein. Vom Glauben an Gott zum Glauben an das Leben, an die Zukunft meiner Kinder und an das Glück.

Während der Predigt dachte ich darüber nach, wie unterschiedlich eine Bewertung dieses Kirchgangs ausfallen könnte. Die Reihen waren an diesem Sonntag nur spärlich gefüllt. Der Pastor könnte auf seine Gemeinde blicken und darüber nachgrübeln, warum die Menschen immer weniger glauben. Er könnte seinen Beruf in Frage stellen und halbherzig predigen. Das tat er aber nicht. Er glaubt an das, was er tut. Er sieht eine lebendige Gemeinde. Er sieht die Familien und Kinder, die immer noch kommen. Er ist froh und dankbar, dass wieder ein Kindergottesdienst stattfindet. Und durch seine Ernsthaftigkeit und seinen Glauben schaffte er es auch mich und Friedrich mitzunehmen, zumindest ein kleines Stück.

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