Zwischen der Trauer

Vor ein paar Tagen fiel mir plötzlich auf, dass ich an diesem Tag noch nicht geweint hatte und wurde über die Erkenntnis, dass ich seit vielen Monaten jeden Tag weine so traurig, dass ich es gleich wieder tun musste. Weinen war bis zum Sommer 2016 nicht Bestandteil meines Lebens gewesen. Seitdem ich jedoch weiß, dass meine Kinder krank sind, gehört es zu mir, wie das morgendliche Ritual im Bad, der Weg zur Arbeit oder das Einräumen der Spülmaschine. Es muss einfach erledigt werden. Manchmal wundere ich mich wie pragmatisch ich es abarbeiten kann. Unter der Dusche zum Beispiel ist es praktisch, weil man auf jeden Fall für sich ist und sich nicht um verschmiertes Make-up oder rote Augen sorgen muss. Und ein rührender Film ist immer eine gute Ausrede. Zumal es nie in meinem Leben Zeiten gab, in denen mich rührende Filme, traurige Bücher oder ein guter Songtext kalt gelassen hätten.

Hört es sich traurig an, wenn ich zugebe jeden Tag zu weinen?

Bevor die Krankheit Friedreich Ataxie in mein Leben grätschte, hätte ich nicht vermutet, wie viel Glück und Trauer in ein und denselben Tag passen. Ich hadere in den dunklen Momenten mit der Diagnose meiner Kinder und bin 10 Minuten später unglaublich stolz auf sie oder genieße einen schönen Moment.
Glück misst sich nicht in der Abwesenheit von Trauer. Auf jeden Fall nicht unser Glück. Wenn dies der Fall wäre, würde ich aufgeben.
Unser Glück wohnt immer noch bei uns. Es ist kein kleines Glück und kein halbes Glück, sondern dasselbe Glück, dass immer da war und das ist vielleicht die beste und beruhigendste Erkentniss der letzten Monate. Dass ich zwischendurch glücklich sein darf.

1 Antwort
  1. Nanna
    Nanna says:

    Melle, das hast Du so schön geschrieben. Komisch, da stehen mir gleich die Tränen in den Augen. Aber wenn man auch so dicht am Wasser wohnt…

    Antworten

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