Hamburg-inklusiv II

Hallo Hamburg,

wir sind noch nicht ganz fertig mit Dir. Oder Du nicht mit uns, wie es scheint.

Ich hätte da mal wieder eine Frage.

Warum muss der Senator für Schule und Berufsbildung monatelang überlegen, ob in einem Gymnasium ein Aufzug bewilligt werden kann, der Friedrich und seinem Klassenkammeraden ermöglicht, an Aufführungen in der Aula teilzunehmen oder am Fachunterricht für Chemie und Physik? Ist das schon zu viel Inklusion für Dich?

Uns wurde bereits nahegelegt, unser Kind an einer Stadtteilschule anzumelden, wo es einen besseren Personalschlüssel und eine bessere Ausstattung gäbe. Wir möchten aber keinen Schulwechsel in unserer jetzigen Situation. Friedrich muss sich schon an ein neues Leben mit Behinderung gewöhnen. In dieser Situation ist es wichtig, dass irgendetwas Bestand hat, wie die Mitschüler, die Freunde, die Lehrer und die Schule, in die er geht.

Außerdem gibt es etwas, das diese Schule mitbringt, das nicht mit Personalschlüsseln oder Geldern zu messen ist.

Lieber Senator, dies hier ist das Gymnasium, zu dem Eltern ihre Kinder mit Inklusionshintergrund schicken. Es ist das Gymnasium mit einer Direktorin, die Inklusionseltern zusammenbringt, unendlich viel Geduld und Verständnis mitbringt und oft genauso ratlos und schockiert ist wie wir Eltern, dass unser Schulsystem, dessen Vertreterin sie ist, uns so wenig unterstützt. Dort arbeiten Menschen, deren Handeln durch Empathie und Humanität getrieben wird und die verstehen, dass sich Probleme nicht einfach wegdirigieren und aussitzen lassen.

Wenn Sie wüßten, wie viel funktioniert, allein dadurch, dass Lehrer offen sind und nach alternativen Lösungen für ihre Schüler suchen, Behinderung hin oder her.

Aber eben nicht alles, denn Empathie beamt keine Rollstühle in den zweiten Stock. Inklusion kostet Geld, das Du anscheinend nicht hast, oder für uns nicht ausgeben möchtest.

Liebe Stadt Hamburg, Du scheiterst an unserer Realität!

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