Der Blick aus meinem Fenster 2 oder Hupverhalten

Wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich einen Marktplatz. Ich sehe eine Bäckerei, ein Reformhaus und eine Apotheke. Ich sehe eine Döner-Bude, einen Falafel-Laden und zwei Pizzerien. Das Beste was ich jeden Tag sehe, sind Menschen. Das schlimmste die Autos, die an meinem Fenster vorbeirauschen. Die Menschen hetzten oder schlurfen oder ducken sich unter Regenschirme. Sie stehen in Gruppen zusammen oder halten Kinder an den Händen. Merkwürdig wieviel Mensch man mitbekommt, wenn man sie so beobachtet. Manchmal fühle ich mich wie Professor Grzimek. Ich denke: „Ach ja, der Mensch, was für ein possierliches Tier.“

Wenn sich die Menschen in Fahrzeuge setzen, sind sie mir gleich viel weniger sympathisch. Dann hupen sie nämlich oft und gerne und wenn man an einer großen Straße wohnt wie wir, dann ist das sehr anstrengend. Menschen hupen eigentlich immer, aber mehr noch jetzt in der Weihnachtszeit. Dann muss alles noch schneller gehen und die Nerven liegen blank und dann reicht es schon, wenn man 3 Sekunden warten muss, um völlig auszurasten und sich auf seine Hupe zu stürzen. Den Autofahrern hilft es auch nicht zu sehen, was die Ursache des Übels ist. Wenn zum Beispiel ein Auto entladen wird oder ein Laster im Weg steht, bringt es wenig im Akkord zu hupen. Meistens ist es so, dass die Person genau an dieser Stelle auslädt, weil sie es aus irgendwelchen Gründen muss, nicht weil sie zu dämlich ist. Das vergessen viele. Sollte die Person allerdings wirklich dämlich sein, lässt sie sich erfahrungsgemäß auch wenig von hupenden Autos beeindrucken. Und noch was: Was bitte soll es bringen, wenn auch noch der zweite, dritte oder vierte in der Reihe der wartenden Autos hupt?

Ich habe daher folgende Bitte:

Wenn Sie das nächst Mal die Hupe Ihres Autos betätigen wollen, fragen Sie sich doch vorher, ob wirklich Gefahr für Leib und Leben von Ihnen oder Ihren Mitmenschen besteht. Nur dann soll und darf man nämlich laut Straßenverkehrsordnung hupen. Sollte dies nicht der Fall sein, dann atmen Sie bitte SEEEEEEHHHHHR RUHIG ein und aus und ein und wieder aus. Sehen Sie, jetzt geht es Ihnen gleich viel besser, oder?

Kreieren Sie ein positives Bild in Ihrem Kopf von dem Menschen, der gerade die Verkehrsverzögerung verursacht. Denken Sie Dinge wie: „Mensch, der Harald hat es auch nicht leicht. Jetzt hat seine Frau ihn von Pinneberg in die Großstadt zum Einkaufen geschickt, und dann funktioniert auch noch das Navi nicht und er ist spät dran und verfranst sich dauernd. Natürlich lasse ich ihn jetzt noch einmal die Spur wechseln!“ Oder: „Marlies hat sich das wohl alles etwas anders vorgestellt. Jetzt, wo das dritte Kind da ist, arbeitet ihr Mann noch mehr als vorher und zwei Kinder in die katholische Grundschule zu bringen, mit einem BMW SUV für den man nie einen Parkplatz bekommt, den man aber unter Sicherheitsaspekten und NUR unter Sicherheitsaspekten kaufen musste, ist wirklich kein Zuckerschlecken.“

Mit dieser Technik werden sie so viel Liebe und Verständnis für Ihre Mitmenschen verspüren, dass es nicht nur Ihr Hupverhalten, sondern wahrscheinlich Ihr ganzes Leben verändern wird.

0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

6 + 15 =