Was träumt Ihr denn so?

Ich bin ganz normal. Ich bin ganz normal. Ich bin ganz normal.

Zumindest so lange ich wach bin. Während ich träume, bin ich mir nicht mehr sicher. Erleben alle Menschen Träume so intensiv wie ich?

Schon als Kind gab es Zeiten, in denen ich immer und immer wieder dieselben sehr realen Träume hatte. Da gab es zum Beispiel die Spinnen-Zeit. Über Wochen und Monate hingen Riesen-Spinnen über meinem Bett, vor denen ich zwar keine Angst hatte, von deren Existenz ich meine Familie aber unbedingt überzeugen wollte. So fand ich mich regelmäßig nachts auf dem Zimmer-Fußboden wieder, weil ich versucht hatte mit meiner Decke eine Spinne zu fangen.

Während meiner Jugend waren es oft sehr abstruse Geschichten oder Bilder mit Text, die ich träumte. Mein Lieblingsbild habe ich heute, 20 Jahre nachdem ich es träumte, abgemalt. Der Text dazu: „Zwei Pluderwolken ziehn vorbei, die eine rosarot, die andere himmelblau!“ Ich hatte das Wort Pluderwolken vorher noch nie gehört, aber ich mochte es gleich und habe diesen Satz seitdem nicht vergessen.

Seit ich Kinder habe träume ich oft schreckliche Dinge. In einem Traum halte ich die beiden Jungs im Arm und werde immer mehr von Lava umzingelt. Kurz vor dem Aufwachen erreicht sie uns und während ich durch die Lava renne werde ich von den Beinen an kürzer und kürzer und wir verschwinden langsam in der roten Masse.

Kurz nach der Diagnose der Jungen hatte ich den Auto Traum. Ich saß vorne am Lenkrad, steuerte mit der linken Hand und realisierte, dass sich das Auto stetig mit Sand füllte. Also ließ ich das Fenster herunter und schaufelte mit einer dieser Süßigkeiten-Schaufeln, die es in Bonbon-Läden gibt, mit meiner rechten Hand kontinuierlich, gegen die steigende Sand-Säule an.

In der letzten Woche hatte ich gleich zwei sehr intensive Träume. Den einen möchte ich fast als spirituell bezeichnen.

Ich stolperte im Hamburger Planetarium die Treppe zum Aussichts-Plateau hoch. Ich fiel hin und rappelte mich wieder hoch. Ich erreichte die schwere Eisentür oben im Turm, drückte sie auf und rannte zum Rand des Plateaus, um mich hinunter zu stürzen. Ich schaute nach unten und unter mir hatte sich ein wunderschöner Nachthimmel ausgebreitet. Es war einer dieser Nachhimmel, wie ich sie noch nicht oft gesehen hatte und wie man sie nur fern ab jeglicher Zivilisation sieht. Es war atemberaubend. Ich beugte mich über die Brüstung, um diesen Anblick zu huldigen. Ich überlegte, was passieren würde, sollte ich springen. Würde ich in den Himmel fliegen? Könnte ich überhaupt irgendwo aufkommen? Ich begann zu weinen. Aus Trauer. Vor Freude. Aus Ehrfurcht vor diesem Sternenhimmel.

Traum Nummer zwei hatte ich Freitagnacht. Er war weniger spirituell. Freunde waren abends zu Besuch gewesen und nachdem sie weg waren saß ich etwas angeduselt bis 2 Uhr Nachts auf unserem Sofa und hörte ALLE meine Spotify Playlisten durch. Am Samstagmorgen wachte ich früh und immer noch auf dem Sofa liegend auf mit einer richtigen Misepeter-Stimme im Ohr, die sagte: „Es ist Montagmorgen. Wochenende gibt´s diesmal nicht. Man kann nicht alles haben im Leben.“

BÄNG

Die Herbstferien sind mit einem lauten Bang, Küssen, Umarmungen und 1000 Konfetti zu Ende gegangen. Wir haben eine Party in der Goldmarie in Hamburg für unsere Freunde geschmissen. Und, was soll ich sagen. Die sehen nicht nur alle verdammt gut aus, sondern können auch was. Feiern nämlich.

Bis vier Uhr morgens war die Tanzfläche solide gefüllt. Danach trieb noch eine kleine Gruppe versprengter Gestalten ihr Unwesen, die nicht wahrhaben wollten, dass es Zeit wurde aufzubrechen und nach Hause zu gehen. Orientierungslos, angetrunken und nur noch einem Gott folgend (Bass) ließen sich die letzten Schäfchen jedoch einsammeln und nach Hause führen, von einem Gastgeber, der wieder einmal im richtigen Moment einen kühlen Kopf bewahrte.

Ein großes Dankeschön an Euch, dass Ihr dabei wart und diesen Abend für uns unvergesslich gemacht habt.

Freitag, der 4. Mai oder Doppelgeburtstage

Mein Gehirn ist ein anstrengender Ort. Manchmal bin ich dort. Manchmal mäandere ich fort. Das ist ein gutes Gefühl. So völlig führerlos (sorry!) unterwegs zu sein. Ich bin stolz auf diese Tugend. Manchmal frage ich mich, wer meinen Körper morgens ins Büro gefahren hat.

An manchen Tagen habe ich Schwierigkeiten wieder die Kontrolle zu übernehmen. Heute war so ein Tag. Es gab eine Oberleitungsstörung am Jungfernstieg an der U4. Ich wartete. Habe die Künstlerin Mine gerade für mich entdeckt. 10 Minuten. 20 Minuten. 30 Minuten bis ich mir eingestehen musste, dass die Oberleitung nachhaltig gestört war an diesem Tag. Ich musste aktiv werden. Ich lief zur Arbeit.

Gestern war auch so ein Tag. Ich bin mir nicht sicher, ob ich mir Sorgen machen muss. Ich kaufte weiße Turnschuhe (wieder sorry, es gibt mal wieder eine weiße Turnschuh-Phase in meinem Leben, der ich mich JETZT stellen muss) und Bluetooth Kopfhörer für meinen Sohn. Erst in der U-Bahn nach Hause bemerke ich, dass ich mich im Regal vergriffen und die Bluetooth-Kopfhörer ohne Bluetooth gekauft und zu allem Überfluss die Quittung nicht eingesteckt hatte. Und zu Hause, dass die Schuhe eine Nummer zu klein sind.

Mein Vorgestern war ebenfalls von Hirnabstinenz geprägt. Den ganzen Morgen konnte mein Kopf erfolgreich ausblenden, dass meine Profi-Card in einer anderen Jacke steckte und ich somit schwarz zur Arbeit fuhr. Erst am Nachmittag im Metronom nach Harburg fiel es mir auf als ein Schaffner vor mir auftauchte und nach meiner Fahrkarte fragte.

Warum mein Gehirn sich manchmal verabschiedet. Keine Ahnung. Vielleicht vollführen Außerirdische komplexe Rechenleistungen auf meiner Festplatte, wenn ich nicht da bin. Vielleicht ist es auch manchmal verdammt geil, an nichts zu denken. Das schaffe ich sonst nur bei völlig überzogenem Netflix-Konsum.

Vielleicht passiert auch wirklich ein bisschen zu viel gerade in unserem Leben. Am Mittwoch – in Harburg – haben wir einen Rollstuhl für Friedrich ausgesucht. Und heute –  am Freitag –  seinen 13. Geburtstag gefeiert. Ich sehe den Titanic-Titel schon bildlich vor mir. Ja, genau den mit der Zonen-Gabi im Glück und ihrer ersten Banane. Nur dass die Zonen-Gabi Friedrich heißt und Bananen nicht mag. Ihr seht es jetzt auch, oder? Aber ich möchte nicht bitter und nicht zynisch sein. Und auch nicht verschweigen, dass es Spaß gemacht hat, unser Besuch im Sanitätshaus.

Wir durften alle vier Rolli fahren. Die Jungs sind echte Naturtalente. Ich nicht. Die Drehung hatte wieder etwas mit Intelligenz und räumlichem Vorstellungsvermögen zu tun. Aber sonst. Ne feine Sache. Und auch viel unbedrückender als erwartet. Dafür hat man dort geschultes Personal, die es so leicht und spaßig aussehen lassen, als würde man sich eine schicke Vespa oder ein neues Fahrrad aussuchen.

Außerdem gibt es wirklich geile Rollstühle. Richtige Rollstuhl Ferraris, die jedem Technik-Freak das Herz höher schlagen lassen würden.

Theoretisch. In einer anderen Welt.

Hätte die Evolution uns irgendwann in unserer Geschichte einen kleinen Streich gespielt und wir säßen alle ab Mitte 20 in einem Rollstuhl, wären anstelle von Autos oder Handys vermutlich Rollis Prestigeobjekte und würden unser Ansehen in der Gesellschaft definieren. Dann würden wir uns Sätze zuraunen, wie: „Hast Du gesehen, der hat schon wieder nen neuen Rolli! Das ist doch jetzt schon Rolli Nummer 4, den er in der Garage hat!“

Aber Schluss jetzt damit. Ich muss schlafen gehen. Morgen ist wieder ein Geburtstag. Meiner. Doppelgeburtstage feiere ich jetzt seit 13 Jahren. Es wird nicht leichter mit der Zeit, sage ich Euch.

A tout à l’heure mes amies

 

My beatboxing heroes