Pepelow im September, oder …

Dieses Wochenende ist Ingo unterwegs. Gute Freunde feiern ihre Silberhochzeit. Wir haben uns dafür entschieden, dass er alleine fährt, obwohl ich Markus und Ulrike wirklich gerne persönlich gratuliert hätte. Die letzten Wochen waren anstrengend genug.

Außerdem kommt der Große gerade von seiner Klassenreise.

Als 14jähriger mit Friedreich Ataxie mit 90 nicht behinderten Kindern auf eine Wassersportfreizeit zu fahren kostet ziemlich viel Kraft. Segeln, Kajak fahren, Stand Up paddeln (SUP) und surfen standen auf dem Programm. Eine Schülerin aus der Oberstufe war dabei, um Friedrich zu unterstützen. Er saß in einem Kajak zusammen mit ihr und konnte eine Runde auf dem Meer schippern. Er hat sich alleine in einen Neoprenanzug gezwängt, um dann auf einem SUP-Board zu stehen und sich ins Wasser fallen zu lassen. Er lag in seinem Bett und konnte hören, wie bis 1 Uhr Nachts im Nebenzimmer krakeelt und geschrien wurde. Nicht bei allem mitmachen können, aber dabei sein lautet das Motto. Dabei sein ist alles. Aber ist dabei sein wirklich alles?

Zuerst einmal ist es fast ein kleines Wunder, dass er es auf diese Klassenreise geschafft hat. Er war viel häufiger nicht in der Schule, als dort und die Aussicht sich 5 Tage nicht wirklich zurückziehen zu können und mit vielem konfrontiert zu werden, was nicht geht, machte ihm im Vorfeld schwer zu schaffen. Das Wochenende vor der Klassenreise war die Hölle.
Ich habe ihn noch nie so viel weinen sehen.
Ich habe ihn noch nie so viel trösten dürfen.

Und dann kam der Montag und seine Lehrerin hatte sich um 8 Uhr angemeldet und wir brachten ihn zum Auto und dann war er weg. Ich glaube es hat geklappt, weil diese tolle Lehrerin nicht groß rumgelabert, sondern einfach gemacht hat. Wir sind ihr so dankbar. Außerdem hatte unser Sohn bereits im Vorfeld alle möglichen Gefahren der Reise in Ängste übersetzt und durchlebt, sodass ihn fast nichts mehr schocken konnte.

Nach drei Tagen hat Ingo ihn abends wieder abgeholt. Friedrich hat viel erzählt, war aufgeräumt und glücklich. Ich glaube daran, dass dabei sein alles ist. Ich glaube, dass es ihn noch unglaublich viel Kraft kostet. Ich weiß, dass es leichter für ihn wird je mehr er sich und seine Krankheit akzeptieren lernt. Dabei zu sein ist alternativlos. In welcher Form auch immer.

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