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Roller fahren

Viel zu lange habe ich nicht geschrieben. Das passiert immer dann, wenn viel zu viel in unserem Leben passiert oder viel zu wenig. In diesem Fall war es ersteres.

Ich glaube ich könnte mindestens fünf Blogbeiträge damit füllen. Vielleicht tue ich das auch. Zum ersten ist da Friedrichs lange Abwesenheit in der Schule. Mit Unterbrechungen war er vier oder fünf Wochen nicht dort. Immer, wenn er es an einem neuen Tag nicht geschafft hat und aufgeben musste, hat er sich Vorwürfe gemacht und versucht im Gegenzug der liebste Junge der Welt zu sein. Kann ich im Haushalt helfen? Soll ich die Wäsche zusammenlegen? Haben die anderen in meiner Klasse mir schon die Hausarbeiten geschickt, damit ich den Stoff nachholen kann? Wie könnten wir als Eltern sauer auf jemand sein, der so verzweifelt versucht die Dinge gut und richtig zu machen.

Trotzdem haben wir an manchen Tagen versucht ihn mit Gewalt in die Schule zu schleifen. Nachdem seine Therapeutin bestätigte, dass es langsam wirklich wichtig sei, die Auszeit nicht noch weiter auszuweiten, haben wir ihn an manchen Tagen links und rechts an die Hand genommen und ihn wie einen Schwerverbrecher aus dem Haus geführt. Friedrich hat sich gewehrt, gekniffen, geheult und geschimpft. Einige Male haben wir es nur bis in den Hausflur geschafft, oder runter auf die Straße oder vor die Schule oder ins Schulgebäude vor die Klasse. In der Klasse kam er nicht an. Bis dahin hatte er uns jedes Mal überzeugt, dass es nicht geht.

Ob es unsinnig oder schädlich war, ihn zu bedrängen? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich so viel Liebe habe für dieses Kind und mir wünsche, dass er, der noch ganz am Anfang steht, Friedreich Ataxie hin oder her, weitermacht und nicht aus Angst vor Ablehnung oder der Angst vor der eigenen Schwäche zu Hause bleibt.

Fast hätte ich geschrieben zu Hause bleibt und aufgibt. Aber das wäre nicht richtig gewesen. Friedrich hat nicht aufgegeben. Das weiß ich. Sonst hätte er nicht den Stoff aufgearbeitet, sonst wäre er nicht weiter zu seinen Therapieterminen und auf sein Gallileo-Trainingsgerät gestiegen, hätte weiter Tabletten genommen und sich uns und seiner Therapeutin anvertraut.

Manchmal braucht man eine Pause vom Leben, um zu verdauen, was einem vor die Füße geschmissen wurde. Er braucht diese Pausen, weil es anstrengend ist, das alles zu verdauen und es auch noch mühelos aussehen zu lassen, was er immer noch versucht.

Mittlerweile geht er wieder, wenn auch mit Unterbrechungen. Wir bringen ihn mit dem Auto zur Schule, zurück kommt er mit dem Bus. Seit das Wetter gut ist, fahren wir ihn morgens mit dem Roller hin, den wir zunächst ausgeliehen hatten. Er liebt es, weswegen wir uns jetzt eine wunderschöne rote Vespa ausgesucht haben. Vielleicht sind diese 15 Minuten Rollerfahrt am Morgen das erste kleine Glück, das wir ihm wegen der Krankheit schenken, um alles etwas leichter und erträglicher für ihn zu machen.

Wenn ihr auch einmal leicht beschwingt mit einem elektrischen Roller durch eure Stadt cruisen wollt, kann ich euch das nur empfehlen. Emmy macht es möglich Link Roller Sharing emmy.

 

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