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Kein Beruhigungs-Blogbeitrag ;-)

Ihr Tollen, Lieben da draußen, die meinen letzten Blogbeitrag gelesen und versucht haben mich aufzumuntern, mit tollen Briefen, Mails, Anrufen, Postkarten oder einem Besuch. Ihr seid großartig und ich danke Euch sehr.

Macht Euch aber wirklich nicht so viele Sorgen um uns. Das hilft niemandem und wahrscheinlich sind wir gerade gar nicht mehr traurig, denn meistens erwischt es uns nur kurz und dann geht es schon irgendwie wieder.

Wie das Glück ist auch unsere Trauer vergänglich.

Zwischen dem 21. Oktober und jetzt liegen drei TAK Partien, ein Besuch bei Freunden in Köthel, einer kleinen Gemeinde an der Bille, eine Frankenstein Übertragung des Englisch Theaters im SAVOY, eine beste Physik-Note der Klasse für Friedrich, ein Paar Tränen von Tom, Friedrich und mir, zwei total skurrile Träume (dazu später mehr), ein Kontroll-Besuch der Jungs im UKE, eine brillanten Idee für ein Video über FA, eine Urlaubs-Diashow bei Freunden mit köstlichen Waffeln, jede Menge neuer Playmobil-Römer, ein ausufernder und sehr kurzweiliger Römer-Chat zwischen den besten Freunden und den besten Kindern der Welt und ein total überfälliges Wiedersehen mit Freunden nach langer Zeit und die Erkenntnis, dass kräftiger Appenzeller in Pfannekuchen verbacken und eingerollt angerichtet mit einer roten Paprika in der Mitte meine neue Leib- und Magenspeise ist, der Geruch aber lange, lange nachhallt…(sehr lange! Ingo)

Man könnte denken, dass manche Dinge so groß und furchtbar sind, dass für Freude oder Glück kein Platz mehr ist. Das stimmt aber nicht. Nicht für uns und für viele Menschen mit Behinderung oder seltener Erkrankung stimmt es auch nicht.

Eine Freundin hat ein Gedicht darüber geschrieben, wie ausweglos es ist ihrem Umfeld zu erklären, wie glücklich sie mit ihrer behinderten Tochter ist. Menschen ohne Berührungspunkte mit Behinderung können es sich nicht vorstellen. Auch ich erlebe das oft. „Ja, Ihr seid eben mit weniger zufrieden.“, oder „Ihr erlebt Glück eben anders.“ …Ich gebe dann immer irgendwann auf und sage nichts mehr.

Wenn ich ehrlich bin, nervt es aber schon ein bisschen und so ganz verstehe ich auch nicht, warum es für die anderen so wichtig ist, dass unser Leben nicht wirklich schön sein kann. Es sollte doch Hoffnung geben, dass Glück auch für Menschen möglich ist, bei denen nicht alles perfekt ist.

Im Buch Homo Deus – A brief history of tomorrow hat Yuval Noah Harari sehr treffend von der gläsernen Decke des Glücks geschrieben. Er beschreibt dass sich zwar unsere Lebensumstände in den letzten 100 Jahren ständig verbessert haben, unsere Erwartungen aber immer in gleichem Maße gestiegen sind. Die subjektiv empfundene Zufriedenheit ist daher nicht gestiegen. Und ganz vielleicht haben wir es geschafft unsere Erwartungen an das Leben mit einer Krankheit wie FA anzupassen. Weil wir keine andere Wahl haben. Und damit wir glücklich sein können.