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Vor unserem Fenster ist dieses Jahr wieder Laternenlaufsammelstelle.

Dieses Mal werden Pauken geschlagen und es gibt einen Spielmannszug und ich werde so überhaupt nicht sentimental. Ich denke: „Na wenigstens ist es schön warm dieses Jahr und die Eltern müssen beim Spazierenstehen nicht frieren“.

Begonnen hat das Ganze bei uns vor 11 Jahren, als der Große laufen konnte. Da ging es im Affenzahn im abgedunkelten Esszimmer um den Tisch herum, die elektrische Laterne eher schlenkernd und schlagend in der Hand als vor sich herhaltend. Gesungen haben in meiner Erinnerung eigentlich immer nur die Erwachsenen. Die Kinder waren mit Heulen beschäftigt, wenn sie wieder beim Laterne-Wetthakeln den Kürzeren gezogen hatten und ihre Laterne kaputt oder in Brand geraten war.

In meiner Laternenlauferinnerung waren alle Umzüge unterschiedlich und doch wieder gleich.

Jedes Mal hieß es 60 Minuten herumstehen, bis es losging und danach 30 Minuten maximale Aufmerksamkeit gefordert waren, um die Kinder in dem Gewusel im Blick zu behalten. Und dann wurde wieder herumgestanden, diesmal um Bratwürste und Glühwein zu kaufen.

Und all die Pferde, die auf unsere Wege äpfelten und Kinder, die verkleidet als Arme Bettler an Wegesrändern hockten und Sankt Martine, die Klettverschlüsse von präparierten Mänteln auseinanderrissen und wohlmeinende Großeltern, die wider besseren Wissens gekommen waren, um diesen denkwürdigen Tag aufs Neue mit uns zu teilen, machen mir meine Erinnerungen nicht schmackhafter.

Manchmal ist es auch schön, wenn etwas vorbei ist.

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