Stell die Verbindung her

Am Wochenende habe ich einen Ball auf unserem Balkon gefunden und dachte: Wenn der Kummer zu groß ist, habe ich immer noch Wilson, in Anlehnung an Tom Hanks besten und einzigen Freund in Cast Away

Wilson haben wir aus England mitgebracht. Ein klassischer Basketball eben. Rund, rot mit schwarzen Streifen. Ich habe mir nie viel dabei gedacht, wenn wir ihn bespielten. Und auch nichts dabei, als er monatelang auf unserem Balkon herumdümpelte.

Am Sonntag habe ich ihn das erste Mal wirklich angesehen. Und die Verbindung hergestellt. Ich musste an seine tragende Rolle im Film denken und an sein dramatisches Verschwinden. Ich spürte eine Regung. Ich spürte Sympathie und ein Wiedererkennen. Wilson? Bist Du es?

Und dann traf mich die Erkenntnis, dass er nur ein schlapper Basketball ist, der nicht mehr, nein, sogar weniger Seele besitzt, als die Lupinen auf unserem Balkon und nur durch seine tragende und tragische Rolle im Film zum Leben erweckt wurde.

Plumpes Product Placement kann ich verzeihen. Ok, man wundert sich, warum alle The Voice Teilnehmer kurz vor ihrem Auftritt noch an Cola Flaschen rumnuckeln oder in die Melitta Kaffee Ecke müssen, aber Schwamm drüber.

Dem Produkt den Leading Act zu verpassen ist aber etwas ganz anderes.

Da kann ich ja gleich ins Kaufhaus rennen, die AAA Batterien aufreißen, in den Ghettoblaster stecken, nen schmucken Sender suchen und das Ding geschultert und in voller Lautstärke an der Kasse vorbeitragen… Wenn Ihr versteht was ich meine…

Aber zurück zum Product Placement.

Ich sehe die Szene im Wilson Headquarter im Frühsommer des Jahres 1998 fast bildlich vor mir. Die Stimmung ist angespannt. Wilson steckt in einer tiefen Krise. Die bösen Verbraucher wollen lieber Golf spielen und Yoga machen, als Tennis oder Basketball zu spielen und wenn sie an Basketball denken, denken sie an andere namenlose und ebenfalls böse Marken.

Die Marketingleiterin sinniert. Der Marke fehlt es an Tiefe, an Profil. Sie hat eine Idee, der Produktmanager schreibt eifrig mit.

„Wir machen einen Film, einen Kinofilm, einen richtigen Kassenschlager und Wilson bekommt die Hauptrolle. Er wird bester und einziger Freund von Tom Hanks, Hollywoods bestbezahltem Schauspieler. Die beiden gehen gemeinsam durch dick und dünn. Und am Ende müssen wir die Marke emotional aufladen. Der Zuschauer muss merken, dass Tom ohne Wilson nicht leben kann. In der Schlüsselszene sieht man dann, wie Wilson gehen muss und sich noch einmal theatralisch umschaut. Toms verzweifelte Rufe „Wilson, Wilson“ verhallen, während Wilson am Horizont immer kleiner wird um dann am Horizont ganz zu verschwinden.

Ich weiß nicht, ob ihr Cast Away gesehen habt. Ich denke mit diesem Briefing hätte der Film deutlich schlechter werden können. Danke William Broyles!

0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

neun + 4 =