War es für Dich auch so schön wie für mich?

Neulich war ich mit einer sehr alten und guten Freundin in einem Lokal. Wir haben von 19 Uhr bis 2 Uhr morgens getrunken, gegessen und gequatscht. Mir wurde wieder bewusst, wie sehr ich Sie schätze, wie toll Sie ist. So richtig gesagt habe ich Ihr das glaube ich nie. Bis zu diesem Abend.

Es gibt einige Menschen, die ich liebe und denen ich es noch nie gesagt habe. Eigentlich traurig, aber vielleicht kennst Du das Problem. Der richtige Zeitpunkt ist nicht da. Man möchte sich keine Blöße geben. Die Angst ist da, verletzt zu werden. Manchmal bilde ich mir ein, die Beziehung müsse eine bestimmte Regelmäßigkeit aufweisen, um verbale Liebes-Bezeugungen auszuhalten. Kann ich z.B. jemanden lieben, den ich nur zweimal im Jahr anrufe oder sehe?

Keine Ahnung, wie es bei Dir ist. Ich für meinen Teil kann. Es gibt ein paar Menschen, die mir sehr am Herzen liegen und die keine Rolle in meinem Alltag spielen.
Es sind Patchwork-Eltern in hessischen Kleinstädten, Finanzbeamtinnen, die hervorragende Frosch-Witze kennen oder Ex-Schweine-Bauern.

Und dann sind da die Menschen, die wir lieben und mit denen wir den Alltag teilen, was ja das Allerschönste ist.

Liebe ist nicht mehr als ein Gefühl. Es ist plötzlich da und es ändert alles.  

Es macht, dass wir uns umeinander sorgen, nervös werden, wenn wir den anderen nicht erreichen. Es macht, dass wir ehrlich miteinander sind und uns nicht verstellen. Es macht, dass wir dem anderen helfen, wenn es ihm schlecht geht, oder ihm zuhören, wenn er reden möchte.

Ich glaube nicht an Gott, aber ich glaube an die Kraft der Liebe. Sie ist das Beste, was mir jeden Tag passiert. Sie macht mich zu einem besseren Menschen. Sie gibt mir Kraft und meinem Leben einen Sinn.

Ich bin froh, dass ich meiner Freundin gesagt habe, dass ich sie liebe und habe mir vorgenommen, es öfter zu tun. Auch wenn ich jedes Mal diesen kurzen bangen Moment erlebe: Vielleicht war es für Sie nicht so schön, wie für mich… Ich weiß auch, wie glücklich es mich macht, wenn Freunde mir sagen, dass sie mich mögen, liebhaben, lieben, was auch immer. Es erfordert Mut sich zu öffnen, weil es mutig ist, zu lieben.

Dass es zum Beispiel weh tut, jemanden zu lieben, dem es gesundheitlich nicht immer gut geht, der frustriert ist und traurig, erleben wir als Eltern kranker Kinder jeden Tag. Und doch ist es immer die Liebe, die uns auch durch schwere Zeiten trägt.

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