Zeittotschläger !?:

Ich sitze in unserer Küche und sinniere darüber nach, ob es ein Luxus oder eine Qual ist, frei zu haben. Der Morgen liegt vor mir und ich habe vergessen, was man da so alles machen kann. Komaschlafen kann ich noch. Bei sinnvollen Beschäftigungen ist mein Repertoire schnell erschöpft.

Ich denke an den Blumfeld-Song „Zeittotschläger“ und das ich ihn eigentlich nie so recht verstanden habe und während ich schreibe denke ich auch an Zeichensetzungsregeln und dass ich die noch viel weniger verstanden habe.

In der neunten habe ich eine Zeichensetzungs-Grammatik-Arbeit geschrieben. Es war ein „sehr gut“. Eigentlich gibt es nur 6 Regeln, die man beherzigen muss (waren es wirklich 6?), aber das müsste ich jetzt recherchieren und dann bei jedem Text beachten….

Das hat schon bei ss und ß nicht geklappt. Dank Chrissy weiß ich z.B., das Straße (langer Vokal) mit scharfem ß geschrieben wird, nass (kurzer Vokal) jedoch mit zwei ss. Wenn ich schreibe, weigert sich mein Gehirn jedoch, irgendetwas von diesem Wissen in meine Texte fließen zu lassen. So ist es eben. Ich baue auf die künstlerische Freiheit. Vielleicht denkt ja der eine oder andere ich wollte durch überraschende, jedoch völlig beabsichtigte Zeichensetzungsaufrüttler dem Text eine neue, hoffentlich tiefere Bedeutung verleihen?.?

Ich habe heute? Morgen! einfach zu viel Zeit. Und? produziere, Scheiße in Überschallgeschwindigkeit!

Oh, man, kann jemand der Frau bitte ein to do geben. Das nimmt sonst eine böse Wendung hier.

Das to do, dass mein Mann mir sonst immer aufdrängt, wenn ich grantig oder schlecht gelaunt bin ist „joggen“: Geh doch bitte joggen! Sagt er noncharmant. Ich gehe seit Jahren nicht mehr joggen!

Ich weise höflich darauf hin, dass zum Klo putzen auch das Ausleeren der Mülleimer gehört. Geh doch bitte joggen!

Ich stauche unsere Jungs zusammen, weil sie Comics, Asterix-Hefte und militärhistorische Geschichtsbücher im ganzen Haus herumliegen lassen (Ole) oder bei jedem Händewaschen das gesamte Badezimmer unter Wasser setzen (Friedrich). Geh doch bitte joggen!

Ich wundere mich, dass unsere Kleinfamilie 8 Brötchen, 4 Croissants, 2 Schoko-Michel, 2 Donuts und 4 Laugenstangen zum Frühstück essen soll, anstatt zu loben, dass mein Mann den Weg zum Bäcker gefunden hat. Geh doch bitte joggen!

Wenn ich so viel joggen würde, wäre ich eine verdammte Marathonläuferin!

Natürlich weiß ich, dass auch ich so meine Eigenarten habe. Dinge in der Spüle zu sammeln gehört u.a. dazu. Oder in neun von zehn Fällen zu viel Milch in den Milchaufschäumbehälter zu füllen und die Fensterbank zu überfluten. Oder bei der Ausübung einer Tätigkeit stets etwas anderes anzufangen… Fällt manchmal nicht auf. Wenn der eine jedoch ein mit der Wasserwage perfekt austariertes Regalbrett an die Wand hält und der andere auf der Suche nach dem richtigen Bohraufsatz schnell noch die Wäsche macht, kann es zu Konflikten kommen

Ich bin selbst nicht ohne Fehler und manchmal eine ganz schöne Meckerkuh. Wenn ich mich über jemanden ärgere oder während eines Streits produziere ich allerdings zu viel Adrenalin um diese Information abrufen zu können. Dann sind es immer die anderen.

Dem Rest meiner Familie scheint es ähnlich zu gehen. Mein Mann ist sich z.B. immer und zu 100% sicher, dass er sich nichts hat zu Schulden kommen lassen. Sein Beweis: Zu Beginn unserer Beziehung hatte ich ihm den sicheren Umgang mit der Klobürste beigebracht und seitdem sitzt dieser zuverlässig. Das ist seiner Meinung nach die Art wie er meine Kritik umsetzt. Ich zeige mich anscheinend resistenter.

Für mich gibt es halt verschiedene Eigenarten-Klassen. Unter gelb fallen z.B. zu wenig Massagen für mich, oder das unüberhörbare Aufstöhnen, wenn nach einer solchen gefragt wird. Ins orange geht es, wenn die Kleidung des gelebten Tages sich als Skulptur vor dem Bett auftürmt. Klobürsten-Missachtungen sind natürlich im tiefroten Bereich anzusiedeln. Und natürlich kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass ich irgendetwas Rotes zustande bringen könnte.

 

0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

siebzehn + 19 =